Stille Helden - Teil I

 

 

 

 

 

 

 

 

...ein Tag im Zeichen der Ameise...


Wieso Ameisen ...???

In ihrer Schrift zum 5- jährigen Bestehen der EGN wird die Ameise als erfolgreichster Entsorger aller Zeiten bezeichnet. Sie hat die reibungslose Entsorgungskette perfektioniert und ist seit Millionen von Jahren evolutionär überaus erfolgreich. Natürlich nicht bei den Mitteln, aber in der Methodik gibt es durchaus Parallelen zum Entsorger EGN, so lautet die Firmenphilosophie.


Soviel vorweg: es war ein toller Tag und ein Erlebnis, das mir noch lange in bester Erinnerung bleiben wird. Und das, obwohl der Tag so gnadenlos früh begann. Dienstbeginn 05:45. Treffen in Viersen mit zwei richtig sympathischen 'EGN-Ameisen': Dieter und Erwin. Beide schon sehr lange in Diensten des Entsorgungsunternehmens egn und dessen Unternehmensvorgängern.

Fahrer Dieter blickt auf 30 Jahre Erfahrung im Umgang mit einer 'Ware' zurück, die jeder ganz schnell los werden will. Beide Männer der Crew können von schönen Momenten berichten. Wie zur Bestätigung fahren wir an einem kleinen Jungen vorbei, der sich – noch im Schlafanzug – die Nase am Fenster seines Zimmers platt drückt und sich freut, als Dieter seinen Gruß erwidert. Ich erfahre von Menschen, die auf die Männer von der Müllabfuhr warten, um mit ihnen ein kurzes Pläuschchen zu halten, vielleicht sogar, weil es das einzige Gespräch des Tages ist … ? Viel Freundlichkeit kommt den Männern von den Mitmenschen entgegen und das tut gut.


 

Warum entstand diese Reportage ...???

Eine „Stille Helden“- Reihe war schon lange geplant. Die Müllabfuhr liegt dann eigentlich mitten auf dem Weg, ich kam nicht daran vorbei. Die Initialzündung gab dann aber ein persönliches Erlebnis auf der Straße. An einer engen Stelle wurde Sperrmüll entsorgt. Vor mir ein PKW mit aufgebrachtem Fahrer. Nach vergeblichem Hupkonzert drehte er ab und fuhr in die Richtung, aus der er gekommen war. Ich konnte die Szene von Anfang bis Ende verfolgen. Es waren keine 5 Minuten und die Männer waren fertig mit der Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt war klar, hier schaust du mal genauer hin. Tags drauf nahm ich Kontakt zur Pressesprecherin der EGN auf...


Allerdings, so Dieter, ist es im Laufe der Jahre, wie in anderen Berufen auch, nicht einfacher geworden. Er denkt dabei an neue Wohngebiete mit teils sehr engen Straßen, die nicht zwingend sofort zu einer Neuaufteilung der Bezirke führen. Zeitdruck ist ein Thema. Oder auch zunehmendes Verkehrsaufkommen, das die Arbeit erschwert. Es ist tatsächlich auch riskanter geworden, auf Schulwegen zu fahren, vor allem in Bereichen, in denen zu Stoßzeiten die Schüler in beide Richtungen zu unterschiedlichen Schulen unterwegs sind. Da wünscht er sich ein klein wenig mehr Rücksichtnahme der Schüler, die ihm in breiten Fahrradkolonnen das Weiterfahren teilweise unmöglich machen. Gott sei Dank ist da noch nie etwas passiert, sagt Dieter. So fährt er seine Touren möglichst so, dass er zur Rush-Hour nicht die Hauptverkehrsstraßen blockiert sowie vor Schulbeginn die Haupt-Schulwege meidet.

Es kann also schon so richtig hektisch werden auf der Tour. Dieter hat aber ein gutes Gespür für diese Situationen. Er steigt dann aus und hilft seinem Lader Erwin, wenn es nötig ist. Dieter entkrampfte schnell und effektiv Hektik produzierende Verkehrslagen durch aktive Unterstützung seines Laders.

Ganz früh am Morgen, beim LKW-Check-In ist von dieser Hektik freilich noch nichts zu spüren. Schon beim Öffnen seines hochtechnisierten Müll-Trucks läuft über die Fernbedienung eine Prüfroutine ab, die Dieter bestätigt, dass die Beleuchtung des Fahrzeugs einwandfrei funktioniert. Und auch Dieter spult routiniert sein Programm mit der Präzision und Laufruhe eines schweizer Uhrwerks ab. Teils über die chipgesteuerte Bordelektronik, teils aber auch noch per manueller Eingabe in seine Tagesliste. Ich war zutiefst beeindruckt, wieviel Elektronik in einem solchen Wagen verbaut ist. Es gibt den fernsteuerbaren Funktions-Check, den Sitz mit Memory- und sogar Massage-Funktion, eine Kameraüberwachung für den Ladebereich sowie eine Funktion zum intelligenten Auslesen der Mülltonnen-Chips.

So zogen wir also unsere Kreise durch mein Wohngebiet, das im EGN-Logistik-Deutsch am Tag der Restmüll-Leerung Bezirk 'HML Net 5 B' heißt. Natürlich bin ich in erster Linie wegen der Fotos mitgefahren. Es blieb aber auch Zeit für mich, selbst Tonnen zu entladen und so konnte ich auch einen kleinen Einblick in die Arbeitswelt des Laders gewinnen. So stand ich dann auf dem, übrigens auch sensorüberwachten, hinteren Transportgitter und konnte mich von dort aus auf die Tonnen stürzen. Diese völlig ungewohnte Bewegung hat mir übrigens den Waden-Muskelkater meines Lebens beschert.


Was gibt es neuerdings beim Sperrmüll zu beachten ...???

Nein, ich habe es auch nicht gewusst, aber es ist tatsächlich so ...: in den Kommunen Nettetal, Schwalmtal, Grefrath, Brüggen, Tönisvorst, Willich und Niederkrüchten holen die EGN und die Städtereinigung Gerke den Sperrmüll ab. Seit Januar 2015 werden dabei Möbelholz und Restsperrmüll getrennt von zwei Fahrzeugen abgefahren. Das müsste natürlich auch beim rausstellen berücksichtigt werden !!! Mehr dazu auf http://www.entsorgung-niederrhein.de/egn-profil/presse/


Überhaupt zolle ich der Arbeit des Laders Erwin und natürlich seinen Kollegen meinen allergrößten Respekt. Auch wenn die Elektronik die Arbeit erleichtern kann: diese Müllmassen – an diesem Tag waren es 21,5 Tonnen Hausmüll – müssen vom Lader zum Wagen geschafft werden. Und nebenbei: es ist keine Seife, die wir alle entsorgen – im Gegenteil … Auch wenn die meisten Leute ihren Müll in Tüten packen und diese verknoten, riecht es ….. gewöhnungsbedürftig und ich war froh, dass ich ab und an meine Nase in den Fahrtwind halten konnte. Dabei waren wir an diesem Tag bei Normaltemperaturen unterwegs. Hut ab vor den Jungs (ganz vereinzelt gibt es auch Frauen in diesem Bereich), die ihren Job ja auch bei extremen Witterungsverhältnissen machen. Also bei ganz großer Hitze genauso wie bei sintflutartigen Regenfällen, Hagel oder Schnee. Dieter erzählte, dass es in seiner 30-jährigen Berufserfahrung erst einmal vorkam, dass die Einsatzleitung die Wagen witterungsbedingt in die Depots zurückrief.

Mit ca. 15 Tonnen Aufnahmekapazität geht es nicht ohne Zwischenleerung. So haben wir dann auch den Wagen im Laufe der Tour zweimal in einer großen Halle der Deponie Süchteln entleert.

Dort wurde der Müll gewogen und später auf andere LKW umgeladen, die unser aller Hinterlassenschaften dann einer Verbrennungsanlage und somit ihrer endgültigen Bestimmung zuführen sollten. In dieser Halle war es dann für mein Empfinden wirklich richtig heftig, was Lärm und vor allem Geruchsentwicklung – hier kann man auch guten Gewissens von Gestank reden - angeht. Ich wollte dort unbedingt zum fotografieren aussteigen, war aber froh und erleichtert, als wir die Halle wieder verlassen konnten.

Nach der zweiten Entladung war dann mein Tagespraktikum bei der egn auch beendet und leicht erschöpft kehrte ich mit Dieter und Erwin zurück nach Viersen in die EGN-Zentrale.

 

Mein Fazit dieses Tages: die Entsorgung unseres Zivilisations-Drecks läuft reibungslos. Und wir alle nehmen dies als gegeben hin. Lediglich bei den doch eher seltenen Streiks der Entsorger nehmen wir in einem Anflug von Panik wahr, dass es Menschen sind wie du und ich, die unseren Müll entsorgen, die auch Sorgen haben, nach etwas mehr Einkommen streben und dafür auch einmal aufstehen und wirkungsvoll Protest leisten. Legitim! Ich bin froh und dankbar, dass es Männer wie Dieter und Erwin gibt, die sich um unseren Müll kümmern und damit wahrhaft Großes für unsere Gesellschaft leisten. Tag für Tag.


Dieter, Erwin, danke, dass ich mal dabei sein durfte!!!

 

Danke übrigens auch an Kristiane Helmhold, die Pressesprecherin der EGN. Sie hat mir die Tür zu dieser Reportage geöffnet.

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Kommentare: 4
  • #1

    Claudia Domke (Samstag, 03 Oktober 2015 10:49)

    Sehr schöner Bericht mit tollen Fotos. Durch die detaillierte Beschreibung ist es möglich die Arbeit der " Ameisen" nachzuvollziehen. Vieles wusste ich nicht und über so einiges habe ich noch nie nachgedacht !!!
    Danke Manfred

  • #2

    Frank Bierwirth (Freitag, 09 Oktober 2015 15:39)

    Sehr guter Bericht!

  • #3

    Uwe Prengel (Sonntag, 31 Januar 2016 08:50)

    Beeindruckender Bericht und tolle Bilder

  • #4

    Hans-Jürgen Kunz (Sonntag, 14 Februar 2016 12:54)

    Ein ganz toller Bericht über die Arbeit der "Ameisen". Wenn man sich damit einmal näher mit dieser Arbeit auseinander setzt, sollte es kein Gehupe und keine Aufreger mehr im Strassenverkehr um sie geben. Gut das es die Ameisen gibt. Danke für die Klasse Reportage.