Brezh - BZH - Bretagne ... Nachlese

... ich packe meine Jute-Tasche und lege hinein ...

Wir waren auf der Suche nach einem Geschenk für einen guten Freund. Handwerklich sehr geschickt macht er sich fast alles selbst, passendes Werkzeug ist vorhanden. Was also tun? Er reist sehr gerne und seit unserem gemeinsamen Frankreich-Urlaub vor ein paar Jahren ist er auch von diesem wunderschönen Land ganz angetan. Das war die Basis für die Geschenk-Idee: "Wunderschön" - eine WDR-Reisesendung lieferte mit dem "Wunderschön-Rucksack" die Vorlage. Dort werden typische Gegenstände aus der jeweiligen Region in einen Rucksack gepackt, der dann verlost wird. Ökologisch wertvoll nahmen wir statt des Rucksacks die Bretagne-Jutetasche und füllten sie mit einigen Souvenirs oder auch Alltagsgegenständen mit Bezug zu unserer diesjährigen Urlaubsregion...

Dieser Jute-Beutel erschien uns ideal, um ihn mit unseren Gegenständen zu füllen. Er zeigt die Umrisse der Region Bretagne, ausgefüllt mit der bretonischen Flagge. Von dieser Seite ist 'Breizh' zu lesen, der Name der Region, wie ihn die stolzen Bretonen schreiben.

Die Bretagne ist nach der Normandie der zweitgrößte Cidre-Hersteller Frankreichs und so kommt es, dass der Cidre eines der beliebtesten Getränke der Bretonen ist. Besondere, regionale Apfelsorten verleihen dem bretonischen Cidre seinen typischen Charakter. Der höhere Anteil an säuerlichen und süß-säuerlichen Äpfeln macht den bretonischen im Vergleich zum normannischen Cidre kräftiger im Geschmack. Es heißt: der weltbeste Cidre kommt aus der Bretagne. Der Tradition folgend trinkt der Bretone seinen Cidre gut gekühlt aus kleinen Tassen oder Schalen, französisch bolées und bretonisch bolennoù genannt. Den besten Cidre gibt's direkt von den Bauern, die ihn selbst brauen und als cidre de ferme verkaufen. Dort wird häufig auch der Poiré angeboten. Der wird aus Birnenmost vergoren und ist die fruchtigere Alternative zum Cidre.

 

À votre santé!

 

 

 

 

Und noch ein Nationalgetränk. Kein Bretonisches diesmal, aber ein Französisches: der Pastis. Im frühen 20. Jahrhundert, als der Thujon-haltige Schnaps Absynth verboten war, stellten Bauern in der Provence einen Pastiche (dt.: Nachahmung) her. Mit einem Alkoholgehalt von 40-45 % ein hochprozentiger Vertreter seiner Art. Anis, heute meist Sternanis, Zucker, Fenchelsamen und Süßholzwurzeln sind für den Geschmack verantwortlich. Weitere natürliche Pflanzenextrakte sind erlaubt. Dabei muss der Anisgeschmack aber erhalten bleiben. Der farblose oder durch Zugabe von künstlichen Farbstoffen gelb bis bronzefarbene Schnaps verändert seine Farbe in ein milchiges Weißgelb, sobald er eine Verbindung mit Wasser eingeht. 

So, nach reichlich Alkohol kommt jetzt einmal ganz was Bodenständiges in den Jute-Beutel:

Erste Mahlmühlen mit Wasserkraftantrieb sind laut Wikipedia-Eintrag  seit dem 3. Jahrhundert vor Christus aus Asien belegt. So alt war die Mühle nicht, die wir besichtigt haben und erst recht nicht das von uns dort erstandene Mehl. Neben dem staubenden Endprodukt bleibt auch die Erinnerung an eine sehr interessante Mühlenbesichtigung mit Einblicken in die Arbeit der Müller aus längst vergangenen Zeiten - sehenswert !!!

Atlantiksalz mit Algen - gehört vielleicht nicht zwingend zur Grundausstattung deutscher Küchen - hier ein Produkt aus der Bretagne. Haben es selbst nicht getestet und überlassen es dem Beschenkten, damit etwas Leckeres zu zaubern ...

Und hier noch eine, wenn nicht DIE kulinarische Entdeckung des Urlaubs: salzige Krokant-Kekse - einfach nur köstlich!!! In einem kleinen Laden ließ uns die Inhaberin nicht gehen, bevor wir nicht von diesen Keksen probiert haben. Sie ließ uns von einem großen Tablett voll mit dieser Köstlichkeit  ausgiebig probieren. Und da war's um uns geschehen. Ein kleines Wunder, dass es eine Tüte tatsächlich ungeöffnet bis nach Deutschland schaffte - und ebenfalls im Jute-Beutel landete ...


Zu den beiden 'Alltagsgegenständen', die zum Abschluss auch noch den Weg in den Breizh-Jutebeutel gefunden haben, gibt es auch jeweils eine kleine Geschichte:


Am Fuße eines der größten Leuchttürme Europas gab es drei Buden, in denen alte Damen ihre handgearbeiteten Deckchen zum Kauf anboten. Ich beobachtete, dass viele Leute die Damen fotografierten ohne sie vorher um Erlaubnis zu fragen. Das mochte ich auf keinen Fall tun, dennoch fand ich in den Damen ein wunderschönes, authentisches Motiv. Also sah ich mir einen der Stände aus der Nähe an, fand außer Handarbeiten auch diesen 'wunderschönen' Stein im Angebot, kaufte ihn und fragte die Dame in  dem Zusammenhang, ob ich ein Foto von ihr machen dürfte. Scheinbar überrascht von der Bitte, gab sie mir aber sofort lächelnd ihre Einwilligung. Hier gibt's das Ergebnis ...

 

Und dann der Schlüsselanhänger: bei einer unserer zahlreichen Kirchenbesichtigungen fiel mir gleich im Innenraum einer schlichten, aber doch sehr schönen Kirche auf, dass zwei alte Damen zahlreiche Devotionalien an den geneigten Besucher bringen wollten. Der Erlös sollte der Instandhaltung  des Gotteshauses zu Gute kommen. Es waren Postkarten, Heiligenbilder, Rosenkränze und eben diese formschönen Schlüsselanhänger mit  - und das ist ein echter Clou - einem magnetisch gehaltenen Chip für einen Einkaufswagen. Als wir kurz zuvor die Kirche betraten, wunderten wir uns zum wiederholten Male, dass fast alle Kirchen außerhalb der Messezeiten frei zugänglich sind und von den Touristen besichtigt werden dürfen, die Instandhaltung der Gotteshäuser aber sicherlich Vermögen verschlingen müsse.  Scherzeshalber empfahl ich meiner Frau, sie könne ja einen Rosenkranz erwerben, wenn sie die Kirche unterstützen wolle. Nach einem Rundgang landete ich dann am Devotionalienstand, war aber mit meinem nicht mal als lausig zu bezeichnenden Französisch nicht wirklich in der Lage, einfachste, über Deutung hinausgehende Konversation zu betreiben. Den Deal ihres Lebens vor Augen, meinten die Damen dann, dass es doch besser wäre, sofort zwei dieser ungeheuer praktischen shoppingbegleitenden Alltagsgegenstände zu erwerben. Bevor ich dann die Reisekasse vollständig in Devotionalien umsetzen konnte, kam meine Frau mit den rettenden Französischkenntnissen und wir verließen mit genau einem Exemplar dieser wirklich praktischen Schlüsselanhänger die Kirche. Mittlerweile wieder Zuhause, habe ich mich zu einem online-Französischkurs angemeldet. Denn der nächste Frankreich-Urlaub kommt bestimmt ... und es ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, mit den überaus freundlichen Franzosen das ein oder andere Gespräch in der Landessprache der Gastgeber führen zu können ....

Au revoir et à bientôt ...

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